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Forschende entschlüsseln ein wichtiges Enzym in der Entstehung von SLE und hemmen es mit einem bekannten Medikament

Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die zu Entzündungen in Haut, Gelenken, Nieren und anderen Organen führt und sich durch eine Vielzahl an Symptomen äußern kann.

Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die zu Entzündungen in Haut, Gelenken, Nieren und anderen Organen führt und sich durch eine Vielzahl an Symptomen äußern kann. Er betrifft besonders häufig Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Ein Forscherteam aus China hat nun ein Enzym entdeckt, das eine wichtige Rolle in der Entstehung von SLE spielt und herausgefunden, wie sich dieses mit einem bereits bekannten Medikament beeinflussen lässt.

Die Forschenden verglichen zunächst Blutproben von SLE-Patienten mit denen von gesunden Menschen und Patienten mit anderen Autoimmunerkrankungen. Dabei stellten sie fest, dass die Aktivität des Enzyms zyklische GMP-AMP-Synthase (cGAS) bei SLE-Patienten deutlich erhöht war. Als Teil des angeborenen Immunsystems erkennt cGAS schädliche Viren und Bakterien anhand ihrer DNA und produziert daraufhin den Botenstoff cyclisches GMP-AMP (cGAMP), der eine Immunantwort auslöst. Bei SLE-Patienten ist cGAS jedoch überaktiv und führt durch das fälschliche Erkennen von körpereigenen Strukturen zu den typischen Entzündungsreaktionen.

Das Forscherteam durchsuchte anschließend eine Datenbank mit über 3.000 bereits zugelassenen Medikamenten nach Stoffen, die chemisch an cGAS binden und es dadurch inaktivieren können. Dabei zeigte sich Prasugrel, ein als Blutverdünner eingesetztes Medikament, als vielversprechendster Kandidat. Durch das Anhängen von chemischen Acetylgruppen an cGAS verhindert Prasugrel, dass das Enzym aktiviert wird.

In Versuchen mit Mäusen konnte die tägliche Gabe von Prasugrel die für SLE typischen Entzündungsstoffe und Autoantikörper reduzieren und Symptome wie Nierenschäden und Milzvergrößerung deutlich verbessern. Ein anschließender Test an isolierten menschlichen Immunzellen von SLE-Patienten bestätigte die hohe Wirksamkeit. Dabei fanden die Forschenden heraus, dass die Wirksamkeit von Prasugrel vor allem mit den cGAMP-Werten im Blut der Patienten zusammenhing. Je höher dieser Wert war, desto besser sprachen die Zellen auf eine Behandlung an. Somit kann der cGAMP-Wert bei möglichen zukünftigen Therapien als direkter Marker für den Therapieerfolg herangezogen werden.

Mit ihrer Studie liefern die Forscher nicht nur einen neuen Ansatz für zukünftige Therapien des SLE, sondern zeigen zugleich, wie bereits etablierte Medikamente gegen verschiedene Erkrankungen eingesetzt werden können. Da SLE-Patienten häufig auch ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel haben, könnte Prasugrel für einige Betroffene sogar einen doppelten Nutzen bieten. Bis es so weit ist sind jedoch noch weitere klinische Studien am Menschen notwendig.

Quelle: https://www.nature.com/articles/s41467-026-70794-5

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