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Neue Studie zeigt, wie ein Darmbakterium bei Lupus-Patienten die Nieren schädigen kann und liefert Ansätze für zukünftige Therapien

Etwa die Hälfte aller Patienten mit einem systemischen Lupus erythematodes (SLE) entwickeln im Laufe ihrer Erkrankung eine Lupus Nephritis (LN).

Etwa die Hälfte aller Patienten mit einem systemischen Lupus erythematodes (SLE) entwickeln im Laufe ihrer Erkrankung eine Lupus-Nephritis (LN). Dabei handelt es sich um eine Entzündung der Nieren, die zu einer fortschreitenden Nierenschädigung bis hin zum Nierenversagen führen kann. Forschende fanden nun heraus, welche Rolle Darmbakterien dabei spielen und entdeckten mögliche Ansätze, um die Entzündung zu hemmen.

Im Fokus stand das Bakterium Ruminococcus gnavus (RG), das als Bestandteil der natürlichen Darmflora weit verbreitet ist. Schon länger ist bekannt, dass es einen Zusammenhang zwischen einer Überbesiedlung durch das Bakterium und verschiedenen chronisch-entzündlichen Erkrankungen gibt. Auch bei SLE-Patienten ist ein solcher Zusammenhang belegt. Die aktuelle Studie konnte nun entschlüsseln, wie ein Molekül in der Zellwand der Bakterien die Nieren bei SLE-Patienten schädigen kann und liefert mögliche Ansätze für gezielte Therapien.

Untersuchungen von Darmmikrobiom und Blut bei Patienten mit SLE und Lupus-Nephritis zeigten, dass einige RG-Stämme im Darm sogenannte Lipoglykane (LG) produzieren und in ihre Zellwand einbauen. Ist die Darmbarriere gestört, können diese in das Blut gelangen und dort als Giftstoffe (Toxine) Entzündungsreaktionen auslösen. Die Forschenden fanden heraus, dass diese LG-Toxine Blutplättchen (Thrombozyten) aktivieren, indem sie an einen spezifischen Rezeptor auf der Oberfläche der Blutplättchen, den Toll-like-Rezeptor 2 (TLR2), binden. Das führt zu der Aktivierung von bestimmten Immunzellen, die eine netzartige Struktur aus DNA, Eiweißen und anderen entzündungsfördernden Stoffen freisetzen. Gelangen diese in die Niere, lösen sie dort eine Entzündungsreaktion aus und führen zu den Lupus-Nephritis typischen Schädigungen.

Die Forschenden entdeckten zudem einen Weg, um diesen Krankheitsprozess einfach und zuverlässig bei Patienten nachzuweisen. Messungen zeigten, dass Patienten mit einer durch Ruminococcus gnavus ausgelösten Lupus-Nephritis hohe Konzentrationen von Antikörpern gegen die Lipoglykane (Anti-LG-Antikörper) im Blut aufwiesen und sich somit leicht identifizieren lassen. Eine Hemmung des an der Entzündung beteiligten TLR2-Rezeptors könnte ebenso wie die gezielte Bekämpfung der auslösenden Bakterienstämme und eine Stärkung der Darmbarriere in Zukunft ein möglicher Therapieansatz bei diesen Patienten darstellen. Bis es so weit ist werden jedoch noch weitere klinische Studien notwendig sein.

Quelle: https://doi.org/10.1016/j.ard.2026.03.002

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